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| HTML 5 haucht dem Web neues Leben ein |
| Sunday, 15 August 2010 19:15 | |
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Die Spezifikationen für die neue Version der Hypertext-Auszeichnungssprache HTML sind noch nicht fertig, doch viele Browser unterstützen bereits die wichtigsten Funktionen zur Darstellung von Websites. HTML 5 wird das Web stark verändern. In der Welt des Internets sind zehn Jahre eine Ewigkeit. Die aktuelle Version 4.01 der Hypertext Markup Language (HTML) wurde Ende 1999 eingeführt. Damals gab es kein ADSL im Haushalt, Google war eine kaum bekannte Jungfirma, und Phänomene wie soziale Netzwerke oder Cloud-Computing existierten bestenfalls als Ideenskizze. Vieles hat sich seither verändert – höchste Zeit also, das Web auf eine neue technische Basis zu stellen. Dafür verantwortlich ist das World Wide Web Consortium (W3C), das über HTML wacht und das für die grafische Darstellung von Websites zuständige Regelwerk CSS (Cascading Style Sheets). Autonomie von Plug-ins Das W3C ist ein schwerfälliger Tanker mit über 300 Firmen und Institutionen von Apple bis zur Zheijang-Universität an Bord. Die Weiterentwicklung von HTML erwies sich als zäher Prozess, der über viele Jahre, zeitweise in zwei Arbeitsgruppen unterschiedlicher Stossrichtung, vorangetrieben wurde. Jetzt ist die Zukunft in Form von HTML 5 und CSS 3 greifbar, obschon die Spezifikation noch nicht abgeschlossen ist. Mozilla (Firefox), Apple (Safari), Google (Chrome) und Opera sind die treibenden Kräfte für eine schnelle Umsetzung, ihre neusten Browser-Versionen unterstützen bereits viele der neuen Funktionen. Unterstützung erhalten sie auch von Web-Dienstleistern, denen HTML 5 neue kommerzielle Perspektiven eröffnet. Die Liste der neuen Funktionen ist lang. Apple, Google und Microsoft zeigen auf Demo-Websites,* was heute mit den offenen Web-Standards HTML, CSS und der Programmiersprache Javascript möglich ist. Bereits viel Publizität erhielt HTML 5 wegen seiner Fähigkeit, Audio- und Videoinhalte ohne Plug-in abzuspielen. Ein Katalysator war Apples Entscheid, beim iPhone und beim iPad auf HTML 5 statt auf Flash zu setzen. Videoportale wie Youtube und Vimeo experimentieren bereits damit, kürzlich hat das Dokumentenportal Scribd entschieden, von Flash auf HTML 5 umzusteigen. Weitere Funktionen lassen die Grenze zwischen Desktop-PC und Anwendungen in der Cloud verschwimmen und werten den Browser auf: Mit «drag and drop» lassen sich Dateien innerhalb des Browser-Fensters bewegen und auch auf einen Ordner im Web verschieben. Der CEO des Online-Speicherdienstes Box.net glaubt gar, dass diese Funktion das Ende des klassischen Desktop-Betriebssystems sei, und liegt damit auf einer Linie mit Eric Schmidt, dem CEO von Google. Von diesem stammt der Slogan «The browser is the computer». HTML 5 ist auf dem besten Weg, solche Visionen zu stützen: Neu können Web-Anwendungen Daten automatisch auf dem lokalen PC speichern. Dies erlaubt, mit Cloud-Anwendungen wie Google Docs auch offline zu arbeiten. Dies war über die Browser-Erweiterung Gears auch möglich, die Google nun zugunsten von HTML 5 hat fallenlassen. Typografische Vielfalt Einen Kreativitätsschub bringen neue Funktionen für 2-D- und 3-D-Grafiken, Animationen und die optische Gestaltung von Websites. Dazu gehören etwa skalierbare Vektorgrafiken, um 360 Grad drehende Bildobjekte, Diaschauen mit verblüffenden Effekten und Spiele. Künftig können Browser auch Geodaten verarbeiten und erleichtern Webdesignern und -entwicklern dank Vereinfachung der Syntax sowie neuen Elementen und CSS-«Klassen» die Arbeit. So lassen sich mit einer Codezeile Farbverläufe definieren, runde Ecken oder Schatten kreieren, wozu man heute in einem Grafikprogramm Vorlagen erstellen muss. CSS 3 erlaubt den Einsatz von mehr Schriften und bietet Optionen für interaktive Effekte, die heute oft mit Flash realisiert werden. Totgesagte leben länger Wie schnell sich HTML 5 durchsetzen wird, hängt nicht nur davon ab, wann das W3C die endgültige Version des Standards publiziert; 2012 könnte es so weit sein. Wichtig ist auch die Haltung von Microsoft, das trotz grossen Terrainverlusten immer noch der führende Browser-Anbieter ist. Lange hat sich das Unternehmen wenig um Standards gekümmert, will nun aber HTML 5 und CSS 3 im neuen Explorer 9 unterstützen, wie erste Vorschauen zeigen, eine Beta-Version folgt im September. Ein Problem ist aber die Langlebigkeit alter Explorer-Versionen, selbst der neun Jahre alte Explorer 6 ist nicht totzukriegen. Da HTML 5 aber einen Quantensprung bedeutet und eine weitere Erosion der Marktanteile droht, könnte Microsoft künftig seine Anwender aktiver zum Umstieg animieren. (Quelle: http://www.nzz.ch)
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